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Der Zirkel des Lebens

Man hat oft das Gefühl, dass man sich im Kreis dreht. Aber warum ist das so? Im Grunde genommen sollte man sich vorwärts bewegen, und so kann dies nur bedeuten:

Sich im Kreis drehen heißt auch schwach sein. Diese Schwäche
lässt nicht zu, einen geraden Weg zu gehen, und so stößt man immer wieder auf Gegebenheiten, die eine Kehre beinhalten. Und diese Schritte abseits der Strecke, werden dann weiterverfolgt. Bis man letztendlich wieder dort steht wo man angefangen hat. Was ist also das größte Hindernis? Ist es das Schwach sein oder aber das Hinterfragen der eigenen Hypothesen; die man sich im Verlaufe des Lebens, als anerkannte Tatsachen, schwer erarbeitet hat. Diese können dann von der einen Sekunde zur nächsten wieder revidiert werden, weil dessen Wahrheit nicht die letztendliche Wahrheit begründet. Man weicht ab.

Der stete Weg ist der Weg nach vorne, ohne wenn und aber. Doch was bleibt rechts und links liegen? Liegt vielleicht dort das Leben? Oder ist es ein Aberwitz für die Schwachen, die sich beirren lassen. Welchen Weg soll der labile Mensch einschlagen, um den steten Weg zu finden?
Wenn man sich im Kreis dreht, erlebt man Wiederholungen. Diese können jedoch neue Unterarten enthalten, die es dann gilt zu ergründen. Dennoch lebt auch die Unzufriedenheit in diesem Rund, weil man nicht voran kommt, dem Ziel nie näher kommt.
Oder hat man einfach die Ausfahrt verpasst, und ist jetzt sein ganzes Leben genötigt, sich im Kreis zu drehen. Wohin soll das führen?

Die Konzentration dreht sich wie eine Spirale im Kreis. Zuerst hat man noch den Blick für rechts und links, doch nach ein paar Umdrehungen lässt sie dieses nicht mehr zu. Man ist nur noch auf das Wesentliche konzentriert und gelangt in dessen Mitte.
Wie viele Umdrehungen muss man machen, um das Wesentliche zu finden? Welchen Weg soll man verfolgen?
Oder soll man einfach stehen bleiben?

Stehen bleiben heißt: still verharren. Bedeutet man bewegt sich nicht, man ruht an der Stelle. Der Blick ist nicht nach rechts und links gerichtet, was so unabdingbar zur Resignation führt. Denn wenn man sich nicht mehr bewegt, heißt das auch, dass man tot ist. Jedes noch so kleine Atom birgt Bewegung, jedes noch so winzige Quarks bewegt sich. Bewegung heißt Leben, also bewegt man sich lieber, um lebendig zu sein. Aber wohin?

Doch vielleicht entdeckt man bei der nächsten Umdrehung, doch noch eine Seitentür; die in den vorherigen Runden verborgen gewesen ist. Dieser Zugang kann einem neue Horizonte eröffnen, und Neues in sich bergen. Oder aber man entdeckt, dass es sich auch hier wieder nur um eine Sackgasse handelt und steht wieder im Kreis.
Aber was wäre, wenn man den gesamten Weg zurückverfolgen würde? Würde man zum Ausgangspunkt zurückfinden?
Könnte man nochmals von vorne beginnen?
Würde man sich nicht gleich wieder verzetteln?
Ist der Weg zurück überhaupt fassbar?
Man könnte es mal versuchen, denn man bewegt sich, und geht in steter Richtung, nur nicht nach vorne, sondern zurück.

Dezember 2003

vom Finden …

… wenn man etwas finden möchte, sei es ein Ziel, einen Sinn, die Liebe oder sich selber, soll man sich treiben lassen und nicht explizit suchen! Die Suche verhindert den klaren Blick, und führt nicht zum gewünschten”Objekt”.

Aber kann man im Treibenlassen wirklich ein Ziel finden, oder den Sinn und gar sich selbt? Bei der Liebe verhält es sich so, da darf man nicht suchen, die Liebe findet sich von selber.

Einsamkeit

… ist ein Leben schon einsam, wenn man gerne Daheim sitzt und liest? Ist es einsam, wenn man sich von der Schnelligkeit und Hektik des 21. Jh. entzieht, und lieber etwas ruhiger, besinnlicher und ernster mit den Dingen umgeht, oder sich auf eine ausgewogenen Sprache einlässt? Diese Gedanken kamen mir bei „Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen“, weil man es als ödes Leben ansieht.

Es ist ganz natürlich, dass man sich ein wenig abkapselt, und man als Leseratte nicht mehr jeden Trubel mitmacht, und einige Bekannte dahinziehen. Aber als einsam …

 

Gotteswille

Pferdeherz im Kieselstein
lautlose Schreie
Freiheit im Sein
gefesselt

Temperament ohne
Bewegung
Wehrlos
in deiner Manteltasche

Durch Eis getragen
Stagnation
im Sommer

Achtloser Fall
in Stücke
zerbrochen

 

Heidi Hof

Februar 2004

SuB-Wettbewerb-2009

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Mein Lesejahr 2008

Auf den Lesethron möchte ich

Uwe Tellkamp

setzen, da ich von beiden Werken fasziniert, aufgewühlt und begeistert war!

“Der Eisvogel” hat mich stellenweise so wütend gemacht, dass ich das Buch am liebsten an die Wand geklatscht hätte, dies aber im positiven Sinne. Nachvollziehen kann man das nur, wenn man sich selber in diese Lektüre begibt. Tellkamp packt die Zeit so hautnah, die Kapitalismusbedrohung, obwohl ihm das beim Schreiben noch gar nicht so bewusst gewesen sein kann. Ein riesen Volltreffer!

“Der Turm”, das Mammut-Werk, wozu man sehr viel Muse und Zeit mitbringen sollte, denn es liest sich nicht mal eben so weg. Die Sprache ist hier eine eigene Person, und die Figuren treten hinter diese zurück. Grandios geschrieben, und ein absolutes Zeitzeugnis!

Lesehighlights

1. Rüdiger Safranski - Romantik/Eine deutsche Affäre
Wenn ich an das Jahr zurückdenke, dann ist die Romantik mir am stärksten in Erinnerung geblieben. Ich habe einige Werke dazu gelesen, den “Zauberberg” auszugsweise untersucht, und das ist natürlich der Verdienst von Safranski. Bisher ist mir noch kein präknanteres und auch verständlicheres Literaturwissenschaftsbuch unter gekommen. Bravo!

2. Oblomow - Iwan Gontscharow
Ach das Buch hat seine fünf Sterne absolut verdient, wunderbare Sprache, interesantes Thema und der Aufbau vom Buch ist perfekt, ja es ist ein Meisterwerk!

3. Schlafes Bruder - Robert Schneider
Auch hier bin ich sprachlich voll auf meine Kosten gekommen, und was für eine Thematik, einfach klasse!

Frohe Weihnacht!

 

Frohe Weinacht,

meine Lieben!

Ich wünsche euch eine

besinnliche Zeit

mit Verwandten und Freunden.

Gute Vorsätze für 2009

Also ich möchte nächstes Jahr:

1. mindestens einen Klassiker im Monat lesen!

2. so wenig wie möglich Amerikaner kaufen und lesen Mr. Green
(Ich ärgere mich ja fast immer über die Amis.)

3. Mich wieder wie 2008 intensiv mit Literaturwissenschaft beschäftigen.

4. Einige Sachbücher lesen!
Im Februar erscheint bei Anaconda von Marx “Das Kapital” preiswert, das habe ich mir schon vorbestellt, und damit werde ich mich beschäftigen.

5. Rezis qualitativ verbessern!

Schauen wir mal was davon übrig bleibt :lol:

Hoffnung

Heute kehrst du hier ein und morgen bist du schon längst wieder an einem anderen Ort. Du hast das Gefühl, dass die Zeit dahin rast. Doch halt stopp, was ist denn das? Ist da nicht gerade für eine Sekunde, nur für einen Augenblick, die Zeit stehen geblieben?
Wie bei einer Seifenblase in der Luft, und dann lässt der Alltag aus purer Lust die Anordnung der Moleküle zerplatzen: „Und du nicht!“

Dort sitzt ein Alter im rasenden Zug. Er sieht aus dem Fenster, doch er kann nichts sehen, denn er erhascht nur ab und zu ein paar Fetzen, wenn die Bäume vorbei sausen. Und so hat er längst resigniert. Vorbei sind all seine Hoffnungen mit der er einst geboren wurde.
Ich setzte mich zu ihm und wir kommen ins Gespräch. Er erzählt mir vom Leben, und wie es denn wirklich sei zu leben. Ich höre ihm zu und verstehe kein Wort: Begeisterung die in Starrsinn endet, Ideale, die ins Leere verlaufen.

Er hatte eine Liebe, die ein Kind hervorbrachte, und die Freude war groß.  „Um meine Familie zu ernähren musste ich schuften, mein ganzes Leben lang. Alles ist zerbrochen an der Sinnlosigkeit der Zeit. Doch was will man machen? Jetzt sitze ich hier, reise mit dem Wahn in die Endlosigkeit, hinterlasse einen Scherbenhaufen …, nichts bleibt wie es ist. Aus der Traum, es hat sich ausgeträumt. Vorbei!“

Danach senkt er sein Haupt auf seine Brust und erstarrt in der gleichen Resignation, wie ich ihn zuvor fand.

Ich schaue aus dem Fenster: Herrlichste Winterlandschaft.
Dort in der Ferne entdecke ich ein kleines Dorf mit einer Kapelle. Daneben steht ein hell erleuchteter Weihnachtsbaum. In Gedanken sehe ich Kinder, die einen Tanz um den Baum proben und sehnlichst auf den Tag der Geburt ihres Heilands warten. „Oh du fröhliche, oh du selige…“

Nach einiger Zeit ertappe ich mich dabei, dass ich leise Weihnachtslieder summe. In mir steckt so viel Hoffnung und ein ganz besonderer Glaube. Vieles möchte ich angehen, am liebsten die ganze Welt umkrempeln.
Schnell packe ich meine Tasche, denn der Zug hat meine Station erreicht, und am Bahnhof werde ich schon erwartet.

Schneeflocken rieseln und unser Weihnachtsbaum erstrahlt im Vorgarten. Alles ist so herrlich und ich vergaß den Alten.

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